Wertvoller Austausch über die Zukunft der Branche

4-Länder-Gespräch in Zürich

Wertvoller Austausch über die Zukunft der Branche

12. Oktober 2012 agvs-upsa.ch – Die internationale Vernetzung war für Urs Wernli stets ein wichtiges Anliegen. Wenige Tage vor seinem Rücktritt als AGVS-Zentralpräsident war Wernli Gastgeber des traditionellen 4-Länder-Gesprächs der Autogewerbeverbände Deutschlands, Österreichs, Südtirols und der Schweiz in Zürich.
 
«Quo vadis Kfz-Gewerbe?» Mit dieser Frage setzten sich die Vertreter der vier Verbände im Hotel Courtyard by Mariott in Zürich auseinander. Nach der Begrüssung durch Urs Wernli und einem Referat von Christian Müller, Präsident der AGVS-Sektion Zürich, zur Verkehrspolitik im Kanton Zürich, zogen sich die Teilnehmer in vier Arbeitsgruppen zurück. Hier die wichtigsten Resultate.
 

Urs Wernli begrüsst die Teilnehmenden am 4-Länder-Gespräch in Zürich und leitet über zu Christian Müllers Referat über die Verkehrspolitik im Kanton Zürich. (Fotos: Serina Danz)

Handel: Agenturmodell, wenn es sich rechnet
Die von Markus Aegerter, AGVS-Geschäftsleitung Branchenvertretung, geleitete Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den sich wandelnden Vertriebsformen, namentlich mit dem Agenturmodell. Langfristige Erfahrungswerte sind nicht vorhanden, trotzdem stellt die Gruppe bei den Händlern und den Verbänden eine positive Grundhaltung fest. «Ein echtes Agenturmodell muss sich rechnen, dann macht ein Grossteil der Händlerschaft mit», so Markus Aegerter. Einig war sich die Arbeitsgruppe auch, dass sämtliche Zusatzdienstleistungen, die heute für den Kunden gratis sind, in Zukunft abgegolten werden sollen.

Ein weiteres Thema war die Elektromobilität, die in den vier Ländern auf sehr unterschiedliche Voraussetzungen trifft: Während Elektrofahrzeuge in Deutschland und Österreich politisch massiv gefördert und subventioniert werden, ist die Unterstützung in der Schweiz nur geringfügig. Klar ist, dass grosse Herausforderungen bezüglich Infrastruktur, Stromverfügbarkeit, Strassenfinanzierung und Recycling auf die Staaten zukommen. Die Arbeitsgruppe plädierte für Technologieoffenheit seitens Politik und Autohäusern.

Diskutiert wurde auch über politische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Trends. Man war sich einig, dass Teile der Politik eine grundsätzliche Abneigung gegen die individuelle, motorisierte Mobilität pflegen, gleichzeitig aber die Mehrheit der Bevölkerung in den vier Ländern nicht per se gegen das Auto sei. «Politische Wirkungskraft beginnt im Kleinen», sagte Markus Aegerter. Garagisten sollten sich vermehrt (lokal-)politisch engagieren.
 
Bildung: Neue Fach- und Beratungskompetenzen
Olivier Maeder, in der AGVS-Geschäftsleitung für die Bildung zuständig, präsentierte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe Bildung und «vermutete» bereits den Erfolg von Automobil-Mechatroniker Fachrichtung Nutzfahrzeuge, Damian Schmid, an den EuroSkills. Wobei die Schweiz im Nachhinein auch Österreich (Silber) und Deutschland (Bronze) zu ihren Medaillen in derselben Disziplin gratuliert hat. Die Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass die vier Verbände vermehrt zusammenarbeiten und Synergien nutzen müssen. Getreu dem Leitsatz «Zusammen sind wir stärker». So soll die gemeinsame Vorbereitung der Kandidaten für die WorldSkills weiter gefördert werden, unter anderem findet dazu Anfang 2022 in Dresden der Eurocup statt.

Auch mit regelmässigen Online-Treffen, mit Gastteilnahmen an Meetings während des Jahres und auch, indem Analysen und Inhalte zu Autoberufen (z.B. Lehrabgängerumfrage) gegenseitig zur Verfügung gestellt werden, soll die Zusammenarbeit gestärkt werden. Die Technologie wandelt sich rasant und stellt auch die Berufsbildung vor neue Herausforderungen. Der Wandel von Antriebstechnologien und -systemen führt zur Integration neuer Fach- und Beratungskompetenzen in der Grund- und auch in den Weiterbildungen. Ein wichtiges Thema in sämtlichen Verbänden ist das Gewinnen von geeigneten Nachwuchskräften. Hier setzen sowohl Deutschland und die Schweiz mit eigenen Webseiten für den Nachwuchs auf die zielgruppengerechte Ansprache von Schülern und Lernenden. Auch wurde über die Strategien der Social-Media-Kanäle diskutiert, um den Nachwuchs anzusprechen, und es wurde vereinbart, gegenseitig Posts zu liken und/oder zu kommentieren.
 
Reparatur und Kundendienst: Zugang zu Fahrzeugdaten und Fahrzeugen
Akkreditierte Werkstätten benötigen Zugang zu Fahrzeugdaten, aber auch zu den Fahrzeugen. Sie sind angewiesen auf faire Konditionen für Ersatzteile und Zugang zur Hochvolt-Kompetenz. Dies sind, auf einen einfachen Nenner gebracht, die Schlussfolgerungen der durch Markus Peter, beim AGVS für Technik und Umwelt verantwortlich, und René Degen, Mitglied des AGVS-Zentralvorstandes, geleiteten Arbeitsgruppe. Die Gruppe beschäftigte sich mit dem Dauerbrenner Zugang und Verarbeitung von Fahrzeugdaten und mit der Digitalisierung im Werkstattalltag. Die Teilnehmer erhielten Informationen über das Schweizer Projekt Cardossier, das mittels Blockchain-Technologie ein komplettes «Patientendossier» für jedes Fahrzeug in der Schweiz schaffen will, und konnten einen Blick auf Augmented Reality werfen, was künftig Diagnose-Handbücher ergänzen oder gar ersetzen soll. Weitere Themen waren der Umgang mit alternativen Antrieben, mit Assistenzsystemen und die technische Überwachung in den einzelnen Ländern.
 
Öffentlichkeitsarbeit: Corona dominiert
Serina Danz, beim AGVS für Kommunikation und Medien zuständig, präsentierte die Arbeit der Corona-Taskforce des AGVS, die in Zusammenarbeit mit der Kommunikationsagentur Viva seit März 2020 alle für die Garagisten relevanten Informationen zur Covid-Pandemie praktisch in Echtzeit aufbereitet und via AGVS-Webseite zugänglich macht. Nicht nur AGVS-Mitglieder, sondern auch zahlreiche weitere autogewerbliche Unternehmen nutzen den «Corona-Ticker» des AGVS und finden hier einfach und rasch die für sie wichtigen Informationen. Die Pandemie war in allen vier Ländern das vordringliche Thema der letzten 18 Monate – und sämtliche Autogewerbeverbände hatten dasselbe Ziel: Mittels Kommunikation Einfluss auf Politik und Öffentlichkeit zu nehmen,  um die Einschränkungen in der geschäftlichen Tätigkeit ihrer Mitglieder auf einem erträglichen Mass zu halten.

Serina Danz ging ausserdem auf Gütesiegel als Element in der Kommunikation ein. So hat der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) mit dem Gütesiegel «eCar-Service» ein neues Zusatzzeichen konzipiert und zeichnet damit Werkstätten aus, die Service- und Reparaturarbeiten an Hybrid- und Elektrofahrzeugen vornehmen können. In der Schweiz ist der AGVS daran, seinen Ehrenkodex zu überarbeiten. «Solche Gütesiegel beziehungsweise Qualitätsmerkmale sind in allen Verbänden eine wichtige Art der Kommunikation – gegen innen wie auch gegen aussen», sagte Serina Danz.
 

Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Rechts im Bild der neue AGVS-Zentralpräsident Thomas Hurter, der das 4-Länder-Gespräch nutzte, um sich den Partnerverbänden vorzustellen.

Das 4-Länder-Gespräch vom 23./24. September stand im Zeichen des Abschieds von Zentralpräsident Urs Wernli, der sein Amt am 30. September an Thomas Hurter übergab. Urs Wernli lobte in seinem Schlussreferat das 4-Länder-Gespräch als «ideale Plattform für den Austausch über die Zukunft der Branche in allen Ländern». An diesen Treffen seien auch Freundschaften entstanden, sagte Urs Wernli an die Vertreter des AGVS und der Partnerverbände aus Deutschland, Österreichs und Südtirols. Es sei ihm eine Herzensangelegenheit, auch nach seiner Zeit als AGVS-Zentralpräsident den Kontakt aufrechtzuerhalten. Einen ersten Kontakt geschaffen hat sein Nachfolger Thomas Hurter, der das 4- Länder-Gespräch dazu nutzte, sich den Partnerverbänden vorzustellen.

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v.l.: Ronnie Mittermair, Obmann der lvh-Kfz-Mechatroniker; Jürgen Karpinski; Urs Wernli; Johann Harb, Bundesinnungsmeister, Wirtschaftskammer Österreich, Bundesinnung der Fahrzeugtechnik; Klaus Edelsbrunner, Bundesgremialobmann Obmann KommR. 

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